Buch formatieren für Print und eBook: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Seitenränder, Schriftarten, Absätze, Kapitel und die richtige Exportdatei.

Dein Manuskript ist geschrieben, der Inhalt steht — und jetzt? Jetzt kommt der Schritt, den viele unterschätzen: die Formatierung. Ein schlecht formatiertes Buch erkennt jeder Leser innerhalb von Sekunden. Schiefe Ränder, flatternder Blocksatz, falsche Schriftgrößen — das wirkt unprofessionell, egal wie gut dein Inhalt ist.
Die Formatierung entscheidet nicht nur über die Optik. Amazon KDP, BoD und andere Plattformen lehnen Dateien ab, die technische Vorgaben nicht erfüllen. Falsche Seitenmaße, fehlende Beschnittzugabe, ein kaputtes Inhaltsverzeichnis im eBook — solche Fehler kosten dich Tage.
Dieser Guide zeigt dir genau, wie du dein Buch für Print und eBook formatierst. Mit konkreten Einstellungen, die du direkt übernehmen kannst. Kein theoretisches Gerede, sondern Werte, die funktionieren.
Die Print-Formatierung ist anspruchsvoller als die eBook-Formatierung, weil du mit festen Seitenmaßen, physischen Rändern und Druckvorgaben arbeitest. Wenn du hier sauber arbeitest, sparst du dir Korrekturschleifen beim Druckdienstleister.
Falls du tiefer in die Typografie einsteigen willst, findest du in unserem Buchsatz-Guide zusätzliche Grundlagen zu Satzspiegeln und typografischen Feinheiten.
Das Seitenformat bestimmt alles Weitere: Ränder, Schriftgröße, Zeilenanzahl. Wähle es nicht willkürlich, sondern passend zu deinem Genre und deiner Zielgruppe.
| Format (B × H) | Bezeichnung | Typisch für |
|---|---|---|
| 12,5 × 19,0 cm | Taschenbuch klein | Belletristik, Romane, Krimi |
| 13,5 × 21,5 cm | Taschenbuch standard | Sachbuch, Ratgeber |
| 15,5 × 22,0 cm | Großes Taschenbuch | Fachbuch, Lehrbuch |
| 17,0 × 24,0 cm | Fachbuchformat | Bildband, Kochbuch |
| 12,0 × 19,0 cm | US Trade (5 × 8 in) | KDP-Standard |
| 15,24 × 22,86 cm | US Large (6 × 9 in) | KDP Sachbuch |
Tipp: Bei Amazon KDP sind 12,7 × 20,32 cm (5 × 8 Zoll) und 15,24 × 22,86 cm (6 × 9 Zoll) die beliebtesten Formate, weil sie die günstigsten Druckkosten haben. Prüfe die KDP-Anforderungen vor der finalen Entscheidung — sie gelten auch für das Innenlayout.
Seitenränder sind nicht Deko. Sie sorgen dafür, dass Text nicht in die Bindung rutscht, dass Finger beim Halten das Gelesene nicht verdecken und dass das Druckbild ruhig wirkt.
Empfohlene Ränder für Taschenbuch (12,5 × 19 cm):
Für dickere Bücher (ab 300 Seiten): Erhöhe den Bundsteg auf 22–25 mm. Je dicker das Buch, desto mehr verschwindet in der Bindung.
Beschnittzugabe nicht vergessen: Die meisten Druckereien brauchen 3 mm Beschnitt an allen Seiten. In Word oder InDesign stellst du das separat ein — es kommt zum Seitenformat dazu, nicht zu den Rändern.
So stellst du es in Word ein:
Die Schriftwahl beeinflusst die Lesbarkeit massiv. Für Fließtext im Buch gelten andere Regeln als am Bildschirm.
Bewährte Schriftkombinationen nach Genre:
| Genre | Fließtext | Größe | Überschriften |
|---|---|---|---|
| Roman / Belletristik | Garamond, Minion Pro | 11 pt | Gleiche Schrift, 14–16 pt |
| Sachbuch / Ratgeber | Palatino, Georgia | 10,5–11 pt | Serifenlos (z.B. Myriad), 14 pt |
| Thriller / Krimi | Times New Roman, Sabon | 11 pt | Gleiche Schrift, fett, 13 pt |
| Kinder- / Jugendbuch | Bookman, Century | 12–13 pt | Verspielt erlaubt, 16–18 pt |
| Fachbuch / Lehrbuch | Source Serif Pro, Charter | 10–10,5 pt | Serifenlos, 12–14 pt |
Grundregeln:
Hier trennt sich professioneller Buchsatz von Amateur-Layout. Es gibt zwei Methoden, Absätze zu kennzeichnen — und du musst dich für eine entscheiden:
Methode 1: Einzug (Standard für Belletristik)
Methode 2: Abstand (Standard für Sachbuch)
Blocksatz ist Pflicht für gedruckte Bücher. Flattersatz (linksbündig) wirkt unprofessionell. Aber Blocksatz erzeugt manchmal hässliche Lücken zwischen Wörtern — die sogenannten "Löcher". Dagegen hilft:
Kapitelanfänge sind die einzigen Stellen, an denen du gestalterisch etwas mutiger sein darfst. Ein guter Kapitelanfang signalisiert dem Leser: Hier beginnt etwas Neues.
Die Basics:
Optionale Aufwertung:
Seitenzahlen (Paginierung):
Kolumnentitel (Running Header):
eBooks funktionieren grundlegend anders als Print. Es gibt keine feste Seitengröße — der Leser bestimmt Schriftart und -größe selbst. Deine Aufgabe ist es, ein flexibles Dokument zu erstellen, das auf jedem Gerät gut aussieht.
Vergiss nicht: Auch dein eBook braucht ein professionelles Cover, das auf Thumbnails funktioniert.
Reflowable (Standard): Der Text passt sich an die Bildschirmgröße an. Der Leser kann Schriftgröße und -art ändern. Das ist der Standard für Romane, Sachbücher, Ratgeber — eigentlich alles, was primär aus Text besteht.
Fixed Layout: Jede Seite hat ein festes Layout wie ein PDF. Sinnvoll nur für Bilderbücher, Comics, Kochbücher mit aufwendigem Layout oder stark bebilderte Sachbücher. Die meisten Self-Publisher brauchen das nicht.
Faustregel: Wenn dein Buch hauptsächlich aus Fließtext besteht, nimm Reflowable. Immer.
EPUB ist das Standardformat für eBooks (außer bei Amazon, dort ist es KPF/MOBI). Es ist im Grunde ein ZIP-Archiv mit HTML- und CSS-Dateien. Du brauchst ein Tool, das dein Manuskript in sauberes EPUB konvertiert.
Die wichtigsten Tools:
Welches Tool zu dir passt, hängt von deinem Budget und Betriebssystem ab. Einen tieferen Vergleich findest du bei den besten Apps zum Buch schreiben — viele davon können auch formatieren.
Ein funktionierendes Inhaltsverzeichnis ist für eBooks Pflicht. Amazon und Apple lehnen Bücher ohne TOC ab.
Zwei Arten:
Häufiger Fehler: In Word manuell ein Inhaltsverzeichnis tippen statt die integrierte Funktion zu nutzen. Manuelle Inhaltsverzeichnisse werden im EPUB nicht klickbar. Nutze immer Formatvorlagen (Überschrift 1, Überschrift 2) und generiere das Verzeichnis daraus.
Bilder im eBook sind tückisch. Zu groß, und die Datei wird riesig (Amazon berechnet Lieferkosten nach Dateigröße). Zu klein, und sie sehen auf hochauflösenden Displays pixelig aus.
Empfehlungen:
Nicht jedes Tool eignet sich für jeden Zweck. Hier ein ehrlicher Vergleich:
| Tool | eBook | Preis | Lernkurve | Am besten für | |
|---|---|---|---|---|---|
| Microsoft Word | ✓ | (✓) | ab 69 EUR/Jahr | Niedrig | Einsteiger, einfache Romane |
| Adobe InDesign | ✓✓✓ | ✓✓ | 23 EUR/Monat | Hoch | Profis, komplexe Layouts |
| Affinity Publisher | ✓✓✓ | ✓ | 75 EUR einmalig | Mittel | Preisbewusste mit Anspruch |
| Vellum | ✓✓ | ✓✓✓ | 249 USD einmalig | Niedrig | Mac-User, schöne eBooks |
| Atticus | ✓✓ | ✓✓ | 99 USD einmalig | Niedrig | Plattformunabhängig |
| Reedsy Editor | ✓ | ✓✓ | Kostenlos | Sehr niedrig | Absolute Einsteiger |
| Calibre + Sigil | ✗ | ✓✓ | Kostenlos | Mittel-Hoch | Technisch versierte |
Meine Empfehlung:
Diese Fehler sehe ich immer wieder — und sie kosten Self-Publisher unnötig Zeit, Geld und Nerven:
Leerzeilen statt Seitenumbrüche. Kapitel mit Enter-Taste auf neue Seite "schieben". Sobald sich der Text verschiebt, bricht alles zusammen. Immer Seitenumbrüche nutzen.
Manuelle statt automatische Silbentrennung. Wer Trennstriche von Hand eintippt, erzeugt bei Textänderungen Trennstriche mitten im Wort. Automatische Silbentrennung aktivieren und nur in Einzelfällen manuell korrigieren.
Fehlende gegenüberliegende Seitenränder. Wer gleiche Ränder links und rechts einstellt, vergisst den Bundsteg. Text verschwindet in der Bindung.
Falsche Anführungszeichen. Im Deutschen: „unten und oben" — nicht "gerade Striche". Die meisten Textverarbeitungen ersetzen das automatisch, aber prüfe es trotzdem.
Kein Probedruck. Du musst dein Buch mindestens einmal gedruckt in der Hand halten, bevor du es veröffentlichst. Am Bildschirm sieht alles anders aus. Bestelle ein Probeexemplar beim Druckdienstleister.
CMYK vergessen. Print-PDFs müssen im CMYK-Farbraum exportiert werden. RGB-Farben sehen gedruckt anders aus als am Monitor. Besonders relevant bei farbigen Innenseiten (Bildband, Kochbuch).
PDF nicht eingebettete Schriften. Wenn deine Schriftart nicht im PDF eingebettet ist, ersetzt die Druckerei sie durch eine Standardschrift. In den PDF-Exporteinstellungen "Schriften einbetten" immer aktivieren.
Inkonsistente Formatvorlagen. Manche Überschriften sind manuell formatiert, andere über Vorlagen. Das führt zu subtilen Unterschieden, die im Inhaltsverzeichnis und bei der EPUB-Konvertierung Chaos verursachen. Nutze konsequent Formatvorlagen — ausnahmslos.
Geh diese Liste durch, bevor du deine Datei hochlädst. Jeder Punkt sollte ein Ja sein:
Für eBooks zusätzlich:
Die Formatierung ist einer der letzten Schritte vor der Veröffentlichung. Wenn sie steht, fehlt nicht mehr viel:
Ja, für einfache Romane und Sachbücher funktioniert Word. Du musst konsequent mit Formatvorlagen arbeiten und die Seiteneinrichtung sorgfältig konfigurieren. Für komplexere Layouts (Bilder, Tabellen, Sidebars) stößt Word an Grenzen. Exportiere als PDF/X für den Druck und konvertiere mit Calibre für eBooks. Professionellere Ergebnisse erzielst du mit Vellum, Atticus oder Affinity Publisher.
KDP hat Mindestvorgaben, die vom Seitenformat und der Seitenzahl abhängen. Für ein Taschenbuch mit 200 Seiten im Format 15,24 × 22,86 cm gelten: Innen mindestens 16 mm (bei 151–400 Seiten), Außen/Oben/Unten mindestens 6,4 mm. Ich empfehle deutlich mehr: Innen 20 mm, Außen 15 mm, Oben 18 mm, Unten 20 mm. Die Mindestwerte erzeugen ein gedrängtes Schriftbild, das unprofessionell wirkt.
Ja, zwingend. Print braucht ein PDF mit eingebetteten Schriften, CMYK-Farbraum und Beschnittzugabe. eBook braucht ein EPUB (oder KPF für Amazon) mit reflowable Layout und sRGB-Bildern. Die Ausgangsdatei kann dieselbe sein — aber du brauchst zwei verschiedene Exporte. Tools wie Vellum und Atticus können aus einer Quelle beide Formate erzeugen.
Wenn du einen Setzer beauftragst, rechne mit 2–5 EUR pro Seite für einen Roman (reiner Text) und 5–15 EUR pro Seite für Sachbücher mit Grafiken und Tabellen. Ein 250-Seiten-Roman kostet also 500–1.250 EUR. Selbst machen ist kostenlos (mit Word oder Reedsy) bis moderat (99–249 EUR für Atticus/Vellum). Die Investition in ein gutes Tool zahlt sich aus, wenn du mehrere Bücher planst.
KDP akzeptiert PDF, DOC, DOCX, RTF, HTML und EPUB für den Buchblock. Ich empfehle dringend PDF — es ist das einzige Format, bei dem du die volle Kontrolle über das Layout behältst. Bei allen anderen Formaten konvertiert KDP selbst, und das Ergebnis ist unberechenbar. Exportiere als drucktaugliches PDF mit eingebetteten Schriften.
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